Der Mannheimer Eduard Howhannisjan entwirft Roben für den Roten Teppich

Design für Diven

In Mannheim kommt es nicht allzu häufig vor, dass irgendwo ein roter Teppich für Stars ausgerollt wird. Dennoch hat es sich der Modeschöpfer Eduard Howhannisjan in den Kopf gesetzt, genau für diese Anlässe glamouröse Roben zu entwerfen. Dass das gar nicht so leicht ist, hat der gebürtige Armenier Meier-Autorin Julia Vettermann erzählt.

Nein, er sei noch nicht verzweifelt sagt Eduard Howhannisjan und lächelt. "Man muss hartnäckig sein und manchmal den Leuten auch auf die Nerven gehen", bemerkt der 42-jährige Modedesigner. Brav auf der Couch zu sitzen und darauf zu warten, dass jemand in seinen Laden in L8,11 kommt, hat er sich abgeschminkt. "Schauen Sie, es ist immer das Gleiche. Die Leute gucken ins Schaufenster, aber sie kommen nicht herein," ruft er und deutet auf eine Passantin, die mit kritischem Blick vorbeiläuft. lm Schaufenster hängen seine edelsten Stücke. ohne Preisschild versteht sich. Gut, nun befindet sich das Geschäft des gebürtigen Armeniers auch nicht auf den Planken, sondern neben dem Polizeipräsidium - an einem Ort, wo die Laufkundschaft nicht gerade mit der Zielgruppe übereinstimmt. Denn Eduard Howhannisjan stellt Mode für feierliche Anlässe her, exklusive Gala-Kleider für den roten Teppich, kurz: Design für Diven, Flatterröcke á la Marylin Monroe, pinkfarbene Cocktailroben und seidenblaue Ballkleider. Auffällig, weiblich, edel und tragbar müssen sie sein, lautet seine Philosophie. Die meisten seiner Kunden kommen nicht aus der Region, bei einer Modenschau im Mannheimer Steinberger Hotel hat er den Mannheimern aber schon mal seine Kollektion vorgestellt und alle wichtigen Metropolisten dazu eingeladen. „Wenn internationale Musik hier funktioniert, warum nicht

auch internationale Mode?“ hat er sich vor knapp zwei Jahren gefragt, als er sein Geschäft in Mannheim eröffnete. Mittlerweile ist der studierte Agrarwirt realistischer geworden. "Es geht schon, glaube ich, man braucht nur Zeit," Ein paar Erfolgsmomente gab es immerhin schon: Er hat die Moderatorin der Radio-Regenbogen-Geburtstagsgala mit einem Outfit ausgestatte und Schauspieler wie Sibylle Nicolai und Michaela Schaffrath gefunden die für ihn Mode präsentieren. Sein größter Erfolg bisher war ein Abendkleid, das er vor einigen Jahren bei der Verleihung der Grammy Awards für eine Laudatorin geschneidert hatte. Eduard Howhannisjan steht noch am Anfang seines Weges. Er habe zwar seit seiner Kindheit davon geträumt, Mode zu entwerfen, aber erst vor acht Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Damit ist er noch ziemlich frisch in der Branche. Jetzt heißt es für ihn kämpfen. "Ich will mich nicht anpassen und langweilige Sachen nähen, nur um was zu verkaufen." Offen für Kundenwünsche will er trotzdem sein: Wer in seinen Laden mit dem schwarzen Steinboden, dem offenen Kamin und den schicken Tapeten kommt kann dort auch ein schlichtes Kleid in Auftrag geben. Kosten: rund 500 Euro. Ein Hochzeitskleid macht er schon ab 2000 Euro. Und einen Hauch von Hollywood gibt es umsonst dazu.

zurück



 

 

 

 

Körperwelten - Berlin 2011